Perspektiven in Zeiten der Krise.

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Sie kann stützen, motivieren, Impulse liefern, Perspektiven zeigen. 

Frauenrechte sind Menschenrechte

Frauenrechte sind Menschenrechte

Olympe de Gouges
1748-1793, Rechtsphilosophin,
Schriftstellerin, Revolutionärin

Die Frau ist frei geboren
und bleibt dem Manne
gleich an Rechten.

Olympe de Gouges

Olympe de Gouges war die uneheliche Tochter eines Adeligen und wuchs in einfachen Verhältnissen in Südfrankreich auf. Mit 16 Jahren wurde sie gegen ihren Willen verheiratet. Sie bekam einen Sohn. Und nur zwei Jahre später wurde sie Witwe. Sie begab sich also nach Paris und begann sich autodidaktisch zu bilden.

Als im Zuge der Französischen Revolution die Erklärung der Menschenrechte verabschiedet wurde, erkannte Olympe de Gouges bald, dass diese nicht für die Frauen galt: Auch weiterhin wurde nur der Mann als der eigentliche Mensch betrachtet. Daraufhin veröffentlichte sie 1791 die „ Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“.

Darin heißt es:

„Mann, bist du fähig gerecht zu sein? Eine Frau stellt dir diese Frage. Dieses Recht wirst du ihr zumindest nicht nehmen können. Sag mir, wer hat dir die selbstherrliche Macht verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken? Deine Kraft? Deine Talente?“

1793 beschloss das Nationalkonvent folgendes: „Kinder, Irre, Minderjährige, Frauen und Kriminelle genießen kein Bürgerrecht.“ Und zwar in dieser Reihenfolge.

Frauen wurde explizit verboten, politisch aktiv zu werden. Das wollte Olympe des Gouges nicht akzeptiere:

Hat die Frau das Recht,
das Schafott zu besteigen,
so muss sie auch das Recht haben,
die Tribüne zu besteigen.

Olympe de Gouges

Sie betätigte sich weiterhin politisch, trat gegen die Todesstrafe und gegen die Hinrichtung des Königs auf und forderte eine Volksabstimmung über die zukünftige Regierungsform Frankreichs ... und wurde selbst wegen Hochverrats öffentlich hingerichtet.

Wenige Tage später warnte eine Pariser Zeitung alle Frauen:

„Erinnert euch dieses Mannweibs, der schamlosen Olympe des Gouges, die als erste Frauenvereinigungen einrichtete, die aufhörte, ihr Hauswesen zu besorgen, die Politisieren wollte und Verbrechen beging. Alle solchen unmoralischen Wesen wurden vom Gesetz vernichtet. Ihr wollt ihr nacheifern? Nein, ihr spürt wohl, dass ihr nur dann interessant und der Wertschätzung würdig seid, wenn ihr seid, was die Natur wollte, das ihr seid.“

Wenige Monate vor ihrem Tod hatte Olympe de Gouges ihr politisches Manifest verfasst. Darin schreibt sie:

Bürger, ihr könnt mir den Tod geben,
meine Prophezeiungen indes
und meinen Einsatz für das Gemeinwohl
könnt ihr mir nicht ungeschehen machen.

Olympe de Gouges

Text: Roswitha Fessler

Bildnachweis: Von Alexander Kucharski - Eigenes Werk, Bonarov, 11. November 2018, CC BY-SA 4.0, aus Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74326258

References:
Bundesministerium für Unterricht und Kunst (Hrsg.): Gelehrte Frauen. Frauenbiographien vom 10. bis zum 20. Jahrhundert. Wien 1996
Kuhn, Annette (Hrsg.): Die Chronik der Frauen. Dortmund 1992

Ein Stück Normalität.

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