Perspektiven in Zeiten der Krise.

Die Welt steht still. Was kann Kultur in einer globalen Krisensituation leisten? 

Sie kann stützen, motivieren, Impulse liefern, Perspektiven zeigen. 

Die große Reformerin.

Die große Reformerin.

Florence Nightingale 
1820-1910, Krankenschwester

Als "Dame der Gesellschaft" nur an Empfängen und großen Festen teilzunehmen, war der jungen Florence Nightingale zu wenig. Die Tochter einer begüterten Landadelsfamilie hegte schon früh den Wunsch, als Krankenpflegerin zu arbeiten. Die Eltern lehnten ab, galt das Pflegeperonal zu ihrer Zeit doch als wenig gebildet, grobschlächtig und häufig betrunken. Es schickte sich einfach nicht für eine Dame ihren Standes. Doch Florence setzte sich durch und absolvierte eine Ausbildung an der Diakonissenanstalt Kaiserswerth.

Einsatz in Krimkrieg

Als 1854 der Krimkrieg gegen Russland ausbrach, wurde sie zur Organisatorin für die Pflege verwundeter Soldaten ernannt. Mit 38 Krankenpflegerinnen reiste sie nach Skutari in die Türkei, wohin man Tausende von verwundeten und cholerakranken Soldaten aus dem Kriegsgebiet gebracht hatte. Vor Ort angekommen, fand Florence katastrophale Zustände vor: „[...] die Räume verdreckt und verwahrlost, Flöhe und Raten überall, medizinische Vorräte gab es keine. Aufgrund der Choleraepidmie waren mitunter 3000 bis 4000 Soldaten gleichzeitig zu versorgen", schilderte sie die Situation (Kerckhoff, 2010, S. 103).

Unermüdlich kämpfte sie für Verbesserungen und forderte hygienische Standards, eine ausreichende Ernährung und eine bessere Betreuung der Verwundeten ein. Bis spät in die Nacht war Florence bei den Kranken und so wurde sie unter dem Beinamen "the lady with the lamp" bekannt. 

Herz, du verlierst sehr viel,
wenn du nichts aushältst!

Florence Nightingale

Florence Nightingale im Spital in Scutari  (The Illustrated London News, 1855. Sammlung Frauenmuseum Hittisau.)

Florence Nightingale im Spital in Scutari
(The Illustrated London News, 1855. Sammlung Frauenmuseum Hittisau.)

Nach Kriegsende und mit den dort gesammelten Erfahrungen arbeitete Florence an ihren Reformideen weiter. Sie befasste sich mit der Bauweise von Krankenhäusern, dem Gesundheitswesen und legte Standards für Hygienemaßnahme fest. 

Wegbereiterin der modernen Krankenpflege

Um gute Pflege gewährleisten zu können, forderte sie eine fundierte theoretische und praktische Ausbildung. 1860 gründete sie daher die „Nightingale Training School of Nurses at St. Thomas Hospital“. Damit schuf sie die Basis für die moderne Krankenpflegeausbildung. Diese Professionalisierung eröffnete vielen Frauen einen Weg, eine öffentlich anerkannte und qualifizierte Ausbildung zu erhalten. 

In “Notes on Nursing”, ihrem Ratgeber für Gesundheits- und Krankenpflege (1858), beschrieb sie die Grundlagen ihres Pflegeverständnisses. Sie hob die Bedeutung der Hygiene für die Gesundheitsförderung hervor - dazu zählen reine Luft, reines Wasser, Kanalisation, Sauberkeit, Licht - sowie die Notwendigkeit eines guten Pflegemanagements (vgl. Kerckhoff 2010, S. 105f).

Krankenpflege ist eine der schönsten Künste,
fast hätte ich gesagt – die schönste aller Künste.

Florence Nightingale

Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau 2018: PFLEGE DAS LEBEN Betreuung. Pflege. Sorgekultur.

Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau 2018: PFLEGE DAS LEBEN Betreuung. Pflege. Sorgekultur.

Eine nie da gewesene Kontroverse

Florence Nightingale hat das Berufsbild der Krankenschwester nachhaltig verändert und ist mit ihren Reformen in die Geschichte eingegangen. Ganz anders ging es Mary Seacole, deren Denkmal vor dem St. Thomas Hospital große Kontroversen ausgelöst hat. Ein Streit wurde zwischen den beiden Frauen heraufbeschworen, den es wohl nie gegeben hat.

Die Direktorin des Florence Nightingale Museums in London, Natasha MrEnroesagte beschreibt die Kontroverse so: „Niemand hat mich je gebeten, das Werk zweier männlicher Chirurgen im Krimkrieg zu vergleichen. Aber von zwei Frauen wird angenommen, sie hätten einander bekämpft.“

Text: Andrea Schwarzmann

Images © https://www.loc.gov/pictures/item/2004672058/ © Archiv Frauenmuseum Hittisau
References: Annette Kerckhoff, 2010. Heilende Frauen. Elisabeth Sandmann Verlag, München / Kluge Frauen aus Medizin & Heilkunde. 2012. arsEdition GmbH München.

Briefe aus dem Orient.

Briefe aus dem Orient.

Baumeisterin der Republik.

Baumeisterin der Republik.